Warum normale Seife Desinfektionsmitteln bei Corona haushoch überlegen ist

Das Coronavirus COVID-19 breitet sich zur Zeit massiv aus und Desinfektion ist zur wichtigsten Alltäglichkeit geworden. Dabei sind Desinfektionsmittel mittlerweile kaum noch zu bekommen und wenn, dann sehr teuer. Dabei zeigt ein wissenschaftlicher Blick auf die Situation, dass dieses meist unnötig ist: Das beste Mittel gegen das Virus ist ganz normale Seife! Und zwar darum:

Wie sich ein Virus verbreitet

Die meisten Viren wie auch das aktuelle Coronavirus COVID-19 verbreiten sich durch Tröpfeninfektion: Wenn eine infizierte Person hustet oder niest, verteilen sich unzählige Viren und können andere anstecken. Messungen zufolge können Tröpfen vom Niesen bis zu 0.6 Meter überwinden und sich dabei mit 4.5 Metern pro Sekunde fortbewegen [1]!

Deswegen ist es so wichtig, Abstand zu halten – denn wir wissen nie, ob die Personen um uns herum das Virus tragen und ob sie bald niesen werden. Wenn wir einen Meter Abstand halten, sinkt unser Risiko, Tröpfchen vom Husten oder Niesen anderer einzuatmen!

Tröpfchen von infizierten Personen enthalten Viren, die nun auf Oberflächen hängenbleiben. Viren können dort eine Zeit lang “überleben” (man spricht bei Viren eher von aktiv sein als von überleben). Selbst wenn das Tröpfchen schon ausgetrocknet ist, kann das Virus noch aktiv sein. Wie lange es auf Oberflächen aktiv bleibt, ist noch nicht geklärt [2]. Bisher gibt es nur Spekulationen, aber keine bestätigten Aussagen über die Zeiträume.

Warum Seife die beste Waffe gegen das Coronavirus ist. COVID-19
Photo by CDC on Unsplash

Wie lange ein Virus auf einer “toten” Oberfläche aktiv bleibt, hängt aber auch von der Art der Oberfläche ab: Auf rauen Oberflächen bleibt es eher hängen, während es sich von glatten Flächen schneller loslöst. Auch molekulare Wechselwirkungen spielen eine große Rolle: Mit Stahl, Porzellan oder Teflon interagieren Viren kaum, sodass sie sich davon viel einfacher loslösen können [3]. An Haut hingegen hängen sich Viren gerne fest [3] – was für die Verbreitung von Viren unter Menschen eine gravierende Rolle spielt.

Die molekulare Zusammensetzung unserer Haut macht es für ein Virus sehr attraktiv, daran hängen zu bleiben. Wann immer wir also z.B. eine Stahloberfläche mit einem Virus darauf mit der Hand berühren, wird sich das Virus gerne von dieser unvorteilhaften Oberfläche lösen und viel lieber an unserer Haut bleiben. Wenn wir nun unser Gesicht berühren, kann das Virus von der Hand in die Atemwege oder an unsere Schleimhäute gelangen – genau dahin, wo es eine Infektion auslösen kann, wenn unser Immunsystem nicht gut genug dagegen ankommt.

Wann immer wir eine kontaminierte Oberfläche berühren, wird das Virus geneigt sein, an unserer Haut hängen zu bleiben. Deswegen ist es so wichtig, die Hände regelmäßig und gründlich zu waschen sowie das Gesicht möglichst nicht zu berühren! Auch das Vermeiden von Umgebungen mit hoher Menschendichte wie der öffentliche Nahverkehr hilft sowie kein unnötiges Berühren von Gegenständen.

Wie das Händewaschen uns vor Infektionen schützt

Solange das Virus nur an unseren Händen ist, haben wir noch eine gute Chance es loszuwerden, bevor wir uns anstecken. Normales Wasser kann es abspülen, aber Seifenwasser ist viel wirksamer: Genau wie bei normalem Dreck ist die Seife durch ihre Molekülstruktur in der Lage auch das Virus besser zu entfernen. Seifenmoleküle schließen Dreck (und damit auch Viren) ein und machen ihn wasserlöslich. Nur dann kann man alles einfach mit Wasser wegspülen.

Wie Seife Dreck und das Coronavirus von unserer Haut entfernt
Wie Seife Dreck und Viren entfernt: Seifenmoleküle haben eine fettlösliche Seite, die sich an den Dreck und die Viren anlagert, und eine wasserlösliche Seite, hier als blauen Kugeln gezeigt. Durch das Umschließen der Verunreinigung mit der wasserlöslichen Schicht kann der Dreck und damit auch das, woran die Viren sich festhalten, leicht mit Wasser abgespült werden.

Außerdem wirkt Seife nicht nur durch das Entfernen der Viren, sie macht Viren auch inaktiv: Die sogenannten Tenside in der Seife greifen die Oberfläche der Virusorganismen an und brechen diese auf, da sie schwächer gebunden sind und Bindungen mit den Tensiden eingehen [3]. Deswegen entfernt Seife die Viren nicht nur von unserer Haut, sonder greift diese sogar an und macht sie ungefährlich!

Durch regelmäßiges Händewaschen mit Seife und Wasser können wir Infektionen eindämmen – aber nur mit ausgiebigem Schrubben! Kontaminierter Dreck kann sich in Falten festhängen und löst sich nur durch ordentliches Einseifen und Rubbeln.

Warum Desinfektionsmittel normaler Seife nicht das Wasser reichen können

Die Händedesinfektion mit Desinfektionsmitteln ist nicht so effektiv wie ausgiebiges Waschen mit Seife: Um das Händewaschen zu ersetzen, muss das Desinfektionsmittel alle Viren auf den Händen instantan inaktiv machen. Da man mit dem Desinfektionsmittel kaum Viren abspülen kann, wirkt es nur über diesen Weg.

Kommerziel kaufbare Desinfektionsmittel basieren üblicherweise auf Alkohol, welcher ebenfalls die äußere Haut der Viren auflösen kann – das Virus also so inaktiv macht – aber nur in sehr hoher Konzentration [3]. Normaler Alkohol wie zum Beispiel in Vodka hat nur 40 % Alkoholgehalt und reicht daher nicht aus. Deswegen wird vielen Desinfektionsmitteln auch Seife beigesetzt. Antibakterielle Zusätze bringen gegen Viren leider gar nichts.

Wegen der doppelten Wirkweise durch das Entfernen und Eliminieren der Viren ist das Händewaschen mit Seife ratsamer als der Einsatz von Desinfektionsmitteln. Wenn man aber gerade keine Gelegenheit zum Händewaschen hat, ist ein Desinfektionsmittel ein sinnvoller Ersatz.

Öffentliche Spender für Desinfektionsmittel können unter Umständen auch Viren verbreiten, wenn man z.B. die Flasche mit den Händen öffnen muss.

Das Gute daran ist: Wir müssen gar nicht diese teuren Desinfektionsmittel in großen Mengen kaufen. Normale Seife ist viel günstiger und funktioniert am besten!

Die 6 einfachten Lifehacks, um die Ausbreitung des Virus einzuschränken

Dies ist sicherlich nicht die Zeit für Panik, aber eine gute Zeit, um unser Verhalten auf die Situation anzupassen, um die Ausbreitung besser einzuschränken:

  • Wir sollten Menschenansammlungen vermeiden. Wann immer möglich ist ein Abstand von einem Meter zu anderen sinnvoll, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Genauso ist Homeoffice eine tolle Sache für alle, die so arbeiten können. Unnötige Trips nach draussen sollte man vermeiden.
  • Unnötiges Anfassen von Dingen in der Öffentlichkeit sollte möglichst auch vermieden werden.
  • Auch der öffentliche Nahverkehr ist derzeit nicht die beste Option – umso ratsamer wäre jetzt zum Beispiel das Fahrrad!
  • Wir sollten alle üben, uns so wenig wie möglich ins Gesicht zu fassen.
  • Regelmäßiges und intensives Händewaschen mit Seife ist sinnvoll!
  • Wann immer richtiges Händewaschen nicht geht, ist Desinfektionsmittel ein guter Ersatz. Seife ist aber immer dem Desinfektionsmittel vorzuziehen!

Ich bin natürlich keine Virologin. Aber ich bin Wissenschaftlerin, die sich seit Beginn meines Studiums mit Oberflächen beschäftigt. Meine Ratschläge hier basiere ich auf wissenschaftlichen Fakten aus meiner Ausbildung oder Artikeln von renommierten Wissenschaftlern. Bitte hört nicht auf “Fakten” unbekannter Quellen in den sozialen Netzwerken, es gibt viel zu viel Panikmache und Fake News im Netz!

Wie schränkt dich das Virus ein? Bist du gar schon in Quarantäine oder arbeitest im Homeoffice? Hast du andere Tipps für uns? Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren, vor allem aber: Bleibt gesund!

References:
[1] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23560060
[2] https://www.health.harvard.edu/diseases-and-conditions/coronavirus-resource-center#Prevention
[3] https://www.marketwatch.com/story/deadly-viruses-are-no-match-for-plain-old-soap-heres-the-science-behind-it-2020-03-08

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