Warum ist Palmöl problematisch?

Palmöl ist das meistgenutzte Pflanzenöl in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie und das meistproduzierte Öl der Welt [1]. Mittlerweile findet man es in den Zutaten von 50 % aller Produkte in einem typischen Supermarktregal [2]! Es ist nicht nur ein Hauptbestandteil unserer meist geliebten Haselnusscreme, sondern wegen seiner Eigenschaften auch Bestandteil vieler anderen Lebensmittel, in Shampoo, Waschmitteln und sogar Treibstoff. Aber obwohl man es sehr effizient anbauen kann, ist der Einsatz von Palmöl kontrovers: Wieso eigentlich und was können wir tun?

Warum brauchen wir so viel Palmöl?

Palmöl hat einen sehr hohen Energiewert, weshalb es auch für Bio-Kraftstoffe eingesetzt wird. Zudem hat es tolle Eigenschaften für Lebensmittel und Kosmetika: Es kann Texturen beeinflussen, Farben und Gewürze binden und das Kochverhalten verbessern. Es dient daher nicht nur als Fettgeber im Essen, sondern kann auch zu Emulgatoren oder Tensiden verarbeitet werden.

Emulgatoren sind wichtig, um Öl und Wasser vermischen zu können. Das ist gerade für die Textur von Lebensmitteln wichtig, aber auch für die Cremebarkeit und das Schmiergefühl von Kosmetika. Tenside dienen als reinigende Substanzen in Reinigungsmitteln, denn damit kann man Öl und Fett von Oberflächen mit Wasser lösen.

Statt andere Pflanzenöle für diese Zwecke einzusetzen, was oft möglich wäre, wird meistens Palmöl genutzt – denn es ist mit Abstand am günstigsten zu produzieren. Die Produktions- und Verarbeitungskosten zum Beispiel in Malaysia betragen nur einen Bruchteil von denen für Öl aus Soja, Raps oder Sonnenblumenkernen hergestellt in den USA, Kanada oder Europa [3]. Deswegen ist Palmöl meistens das Öl der Wahl besonders in Industrien mit hohem Bedarf an Pflanzenölen wie die Lebensmittel- und Kosmetikindustrie.

Und der weltweite Bedarf an Öl steigt stetig, unter anderem auch wegen der nachhaltigen Treibstoffe: Der Umstieg von fossilen auf nachwachsende Kraftstoffe ist natürlich sinnvoll, aber Biodiesel basiert ebenfalls auf Palmöl. Das hat den Bedarf nur weiter angehoben, und zwar gleich sehr gravierend: Bis vor kurzem wurde 50 % des in die EU importierten Palmöls zu Bio-Kraftstoffen verarbeitet [4]. Seit 2020 ist dieser Einsatz von Palmöl in der EU aber endlich verboten [5], während er anderswo weitergeht.

Warum ist Palmöl ein Problem für die Umwelt?

Ölpalmen, die die Früchte tragen, aus denen Palmöl gepresst wird, wachsen nur in tropischen Gebieten, wo ihr Anbau mit Regenwäldern um Platz konkurriert [3]. Regenwälder aber sind mit die wichtigsten Speicher für CO2 und Heimat einer unglaublichen Biodiversität. Da aber der Bedarf an Palmöl immer wieder steigt, werden Regenwälder für den Anbau von Ölpalmen abgebrannt. Das bedroht nicht nur all die Tier- und Pflanzenarten, die nur in Regenwäldern überleben können (wie die Orang-Utans) – die Abholzung treibt zudem auch den Klimawandel an: Das Abbrennen der Ölpalmen, in denen CO2 gespeichert ist, führt zu einem massiven Ausstoß klimaschädlicher Gase [3]. Das beschleunigt Klimawandel enorm, und zwar viel mehr, als durch den Umstieg auf Bio-Kraftstoffe wieder gut gemacht werden kann:

Wir haben abgeschätzt, dass es 75 bis 93 Jahre dauern würde, bis die CO2-Emission der Brandrodung von Regenwäldern durch den Einsatz von Bio-Kraftstoffen kompensiert wäre, die auf der gewonnenen Fläche angebaut werden.

Übersetzt aus F. Danielsen et al., Biofuel Plantations on Forested Lands: Double Jeopardy for Biodiversity and Climate, [6].

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass das Reduzieren der Waldrodung für die Palmölproduktion viel effektiver wäre, um den Klimawandel zu mildern, als sämtlicher daraus produzierbarer Bio-Kraftstoff jemals sein könnte [6].

Und nicht nur Regenwälder fallen der Palmölproduktion zum Opfer: 20 % aller Palmölplantagen werden auf früheren Torfsümpfen angelegt [7], die dafür extra trockengelegt werden. Torflandschaften beheimaten viele bedrohte Tierarten wie den Sumatra Tiger oder das Rhinozeros [7], welche so durch den Menschen weiter ausgerottet werden. Und ähnlich wie bei der Brandrodung von Regenwäldern wird auch beim Austrocknen der Torfsümpfe sehr viel CO2 frei, welches das Klima belastet. Dieser Prozess ist sogar noch klimaschädlicher: Um den Klimaeffekt der Trockenlegung von einem Torfsumpf wieder auszugleichen, müsste auf diesem 600 Jahre lang Öl für Kraftstoffe produziert werden [6]!

Palmöl ist das meistgenutzte Pflanzenöl in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie und das meistproduzierte Öl der Welt. Mittlerweile findet man es in den Zutaten von 50 % aller Produkte in einem typischen Supermarktregal [2]! Es ist nicht nur ein Hauptbestandteil unserer meist geliebten Haselnusscreme, sondern wegen seiner Eigenschaften auch Bestandteil vieler anderen Lebensmittel, in Shampoo, Waschmitteln und sogar Treibstoff. Aber obwohl man es sehr effizient anbauen kann, ist der Einsatz von Palmöl kontrovers: Wieso eigentlich und was können wir tun?
Photo by Nazarizal Mohammad on Unsplash

Sollen wir also Palmöl vermeiden?

Das ist schwer zu beantworten, weil es viele verschiedene Aspekte in dieser Frage gibt. Auch vom ökologischen Standpunkt her, mit Blick auf den Einfluss aufs Klima, ist Palmöl ein toller Rohstoff, der nachhaltig angebaut werden kann – wenn man es richtig macht. Der Anbau von Palmöl ist erheblich effizienter als die Produktion anderer Pflanzenöle: Gemessen auf die Fläche ergibt sich bei Ölpalmen mehr als die vierfache Menge an Öl [8]. Auch der Anbau selber ist fürs Klima eigentlich nicht besonders schädlich. Deswegen ist die Produktion von Palmöl also prinzipiell sogar sinnvoller als die Herstellung anderer Pflanzenöle, da man für die gleiche Menge an Öl mehr als die vierfache Fläche mit Sojabohnen, Sonnenblumen o.ä. bepflanzen müsste – und im Zweifelsfall noch mehr Wälder abholzen müsste o.ä., um diese Flächen zu schaffen.

Und natürlich gibt es auch andere Einflüsse, die man beachten muss. Die sozial-ökonomische Lage in den Öl-produzierenden Ländern ist ein Beispiel. 85 % der weltweiten Palmölproduktion findet in Indonesien und Malaysia statt [9], wo sie den Lebenserhalt ganzer Gemeinschaften sichert. Nur durch die Ölplantagen können diese Gemeinschaften ihre nachhaltigen Entwicklungsziele (UN SDGs) erreichen, zu denen das Vermeiden von Hunger, Armut, das Schaffen von Arbeit und wirtschaftlichen Wachstums gehören. In diesen Regionen ist die Ölproduktion elementar wichtig für das Einkommen vieler Menschen. Leider führt das aber auch zu negativen Effekten wie Konflikten, schlechten Wohnbedingungen und Land Grabbing [9].

Palmöl also komplett zu vermeiden, würde den Bedarf danach senken, was wiederum für diese Gemeinschaften problematisch wäre. Und da es dann Alternativen bräuchte, welche weniger effizient und nachhaltig im Anbau sind, ist das keine gute Lösung. Was aber können wir Konsumenten dann machen?

Kann man Palmöl nicht nachhaltig produzieren?

Die Kritik an Palmöl ist nicht neu – und viele Produzenten haben reagiert. Der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) ist das wohl größte und berühmteste Konsortium, dass Umwelt- und soziale Standards für den Anbau von Palmöl erarbeitet und etabliert hat, um die negativen Einflüsse der Palmölproduktion zu mindern. Nach diesen Standards zertifizierte Produzenten können anhand dieses Logos auf ihren Produkten erkannt werden:

Die Kritik an Palmöl ist nicht neu - und viele Produzenten haben reagiert. Der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) ist das wohl größte und berühmteste Konsortium, dass Umwelt- und soziale Standards für den Anbau von Palmöl erarbeitet und etabliert hat, um die negativen Einflüsse der Palmölproduktion zu mindern. Nach diesen Standards zertifizierte Produzenten können anhand dieses Logos auf ihren Produkten erkannt werden:
Das RSPO logo, von https://www.rspo.org/

Viele Big Player in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie haben die RSPO Guidelines akzeptiert und benutzen nun so zertifiziertes Öl für ihre Produkte. Der World Wildlife Fund (WWF) unterstützt ebenfalls dieses Projekt [10]. Mit der Zertifizierung versichern Produzenten nach folgenden 7 Grundprinzipien zu agieren [11]:

  1. Verhaltet euch ethisch und transparent
  2. Arbeitet legal und respektiert Rechte
  3. Optimiert Produktivität, Effizienz, positiven Einfluss und Resilienz
  4. Respektiert die Gemeinschaft, Menschenrechte und schafft Vorteile
  5. Unterstützt die Einbeziehung von Kleinbauern
  6. Respektiert die Rechte der Arbeiter und ihre Arbeitsbedingungen
  7. Schützt, erhaltet und verbessert Ökosysteme und die Umwelt

Offensichtlich bezieht sich nur das letzte Prinzip auf die Umwelt. Aber immerhin ist Abholzung durch Brandrodung nach RSPO-Richtlinien nicht erlaubt, wie in der Auslegung der Prinzipien genauer vorgeschrieben ist [11]. Für besonders geschützte Wälder ist Abholzung generell verboten. Und auch für Torfsümpfe gibt es ein speziell vorgeschriebenes Verfahren, dass die Austrocknung und damit die Emission von Treibhausgasen vermeiden soll.

Damit sind also die gravierendsten Klimakiller bei der Palmölproduktion adressiert, wenn dieses unter dem RSPO-Label produziert wird. Aber ungeschützte Wälder können weiter abgeholzt werden, was oft als Hauptkritikpunkt an dem Label genannt wird [12]. Auch gehen die sozialen Standards, die unter dem Label vorgeschrieben werden, kaum weiter als die elementaren Menschenrechte, die doch eh selbstverständlich sein sollten. Da sie es aber offensichtlich nicht immer sind, stellt das eine Verbesserung dar – wenn auch nur eine kleine.

Natürlich könnte das Label weiter gehen, um nachhaltigere und menschengerechtere Produktionsbedingungen zu schaffen, und es wird auch stetig erweitert. Trotzdem stellt es sicherlich eine Verbesserung über die sonst normale Palmölproduktion dar. Und da das Vermeiden von Palmöl weder so einfach möglich, noch wegen der Effizienz wirklich sinnvoll ist, ist das ein guter erster Schritt. Zuletzt wurde der Standard in 2018 überarbeitet und ich hoffe, dass er auch in Zukunft helfen kann, die Produktion von Palmöl immer weiter zu verbessern.

Wie kann ich Palmöl in der Zutatenliste erkennen?

Palmöl und aus Palmöl produzierte, andere Stoffe können unter unterschiedlichsten Namen in den Zutatenlisten von Lebensmitteln oder Kosmetika versteckt sein. Hier ist eine (wahrscheinlich noch immer nicht vollständige) Liste von Zutaten, die aus Palmöl hergestellt werden [zusammengefügt aus 10,13]. Dabei sind die Stoffe mit * markiert, die möglicherweise, aber nicht zwingend aus Palmöl hergestellt werden:

  • Cetyl palmitate and octyl palmitate (names with palmitate at the end are usually derived from palm oil)
  • Elaeis Guineensis
  • FP(K)O – Fractionated Palm Oil
  • Glyceryl*
  • Glyceryl Stearate
  • Hydrated palm glycerides
  • OPKO – Organic Palm Kernel Oil
  • Palm Kernel (Oil)
  • Palmate
  • Palmitate – Vitamin A or Asorbyl Palmitate
  • PHPKO – Partially hydrogenated Palm Oil
  • PKO fractionations: Palm Kernel Stearin (PKs); Palm Kernel Olein (PKOo)
  • Stearic Acid
  • Steareth -2
  • Steareth -20
  • Sodium isostearoyl lactylaye (derived from vegetable stearic acid)
  • Sodium dodecyl sulphate (SDS or NaDS)*
  • Sodium laureth sulphate*
  • Sodium lauryl sulphates*
  • Sodium lauryl sulfoacetate*
  • Vegetable Fat*
  • Vegetable Oil*

Wir Konsumenten haben es in der Hand!

Palmöl ist nicht unproblematisch und wird es in der nächsten Zeit so schnell auch nicht sein. Aber es ist im Alltag kaum vermeidbar. Wegen unseres anhaltenden Hungers nach Palmöl und daraus hergestellten Produkten ist der Anbau derzeit kaum nachhaltig. Aber er kann nachhaltig werden, denn die hohe Effizienz im Anbau macht Palmöl zu einem idealen Rohstoff!

Gerade in der Vergangenheit hat die Gier nach Palmöl zu Krisen für Mensch und Umwelt geführt. Wenn der Anbau aber nach nachhaltigen Kriterien umgesetzt wird und die Menschenrechte dabei respektiert werden, kann dieser hochwertige Rohstoff nicht nur der Gesellschaft vor Ort zu einem besseren Leben verhelfen, sondern auch zum Klimaschutz beitragen. Dafür müssen wir aber gerade die großen, viel Palmöl nutzenden Firmen dazu bekommen, auf den nachhaltigen Anbau zu setzen – und da bekommen wir sie nur hin, indem wir die Nachfrage nach nachhaltig hergestellten Produkten erhöhen. Achte bei deinem nächsten Einkauf also auf die Label und erhöhe so mit uns allen den Druck auf die Produzenten!

References:
[1] http://dx.doi.org/10.1016/j.jclepro.2015.03.051
[2] https://www.codecheck.info/news/Hinter-diesen-Inhaltsstoffen-steckt-Palmoel-277232
[3] http://mpoc.org.my/wp-content/uploads/2020/06/Fact-Sheets-on-Malaysian-Palm-Oil-2014.pdf
[4] https://www.transportenvironment.org/sites/te/files/publications/2016_11_Briefing_Palm_oil_use_continues_to_grow.pdf
[5] https://ec.europa.eu/energy/topics/renewable-energy/biofuels/sustainability-criteria_en
[6] https://doi.org/10.1111/j.1523-1739.2008.01096.x
[7] https://www.wetlands.org/casestudy/towards-sustainable-palm-oil/
[8] https://doi.org/10.1186/s13705-017-0126-z
[9] https://doi.org/10.1016/j.jclepro.2020.123914
[10] https://www.worldwildlife.org/pages/which-everyday-products-contain-palm-oil
[11] https://rspo.org/resources/certification/rspo-principles-criteria-certification/rspo-principle-criteria-for-the-production-of-sustainable-palm-oil-2018
[12] https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0048969718341159
[13] https://www.ran.org/the-understory/palm_oil_s_dirty_secret_the_many_ingredient_names_for_palm_oil/

One Reply to “Warum ist Palmöl problematisch?”

  1. Hi Tina,
    schon wieder ich 😉
    irgendwie kam ich nicht los und las nach “Biohacking” noch diesen Blog.
    Wieviel Mühe und Recherchearbeit da drin steckt, freut mich und ich habe ein Lesezeichen gesetzt,
    da ich mehr erfahren möchte (Hintergrundinfos, Themen zum “thematisieren, …).
    Auch dieser Beitrag ist sehr interessant und liefert viel Hintergrundinfos, die ich so
    nicht “auf dem Schirm” hatte.
    Da merkt man eben Deinen Background als Physikerin. Du bist wissenschaftliches Arbeiten “gewöhnt” und ich freue mich über NEWs, statt FAKE NEWs !
    Ich werde einiges einbauen und mal sehen, vielleicht auch ein Thema aufgreifen.
    Sei gegrüßt
    Is Odil
    P.S.
    Über die Adresse erreichst Du mich, doch schaue ich dort nur evtl. einmal die Woche rein !

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